Sie gilt als bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst und lockt alle fünf Jahre Künstler und Kulturhungrige nach Kassel. 2017 geht die documenta in die nächste Runde. Dabei steht die 14. Ausgabe der weltberühmten Ausstellung ganz im Zeichen der Zeit. Als Dokument eben dieser sieht der aktuelle Kurator Adam Szymczyk die documenta zumindest. Und hält gleich noch eine Überraschung für Kunstfans bereit: Erstmals findet die größte Schau der Gegenwartskunst im kommenden Jahr nämlich nicht nur in Kassel, sondern zeitgleich auch in der griechischen Hauptstadt Athen statt. Nicht nur dieses Novum sorgt bereits jetzt für einiges Aufsehen in der Kunstszene. Wir zeigen Ihnen, was Sie im Jubiläumsjahr der documenta erwartet und warum sich ein Besuch der documenta 14 mehr denn je lohnt.

Das Museum der 100 Tage“ im Herzen Deutschlands


Kassel – das sind Grimm-Erbe, eine UNESCO-Stätte und moderner Universitätsstadtflair. Trotz einiger Sehenswürdigkeiten lockt es nicht viele Urlauber in den Norden Hessens. Alle fünf Jahre verwandelt sich Kassel jedoch in das Zentrum der zeitgenössischen Kunstszene, lockt Hunderttausende Besucher und prägt die moderne Kunstwelt wie keine andere Stadt. Grund für die Besucherströme ist die documenta, die sich seit ihren Anfängen im Jahr 1955 zu einer festen Größe im Kulturuniversum gemausert hat. Seit jeher dokumentiert die Ausstellung die Zeit und ihre Auswirkungen auf die Kunst, überschreitet Grenzen und schafft Neues. Initiator der ersten documenta war der Kasseler Kunstprofessor und Designer Arnold Bode, der die Idee einer etwas anderen Kunstausstellung mit der damaligen Bundesgartenschau verband und damit gleich zu Beginn 130.000 Besucher begeistern konnte.

Der Visionär war auch an den folgenden documenta Ausstellungen maßgeblich beteiligt und gestaltet als künstlerischer Leiter die documenta 1 bis IV. Erst bei der fünften Ausgabe gab er die Verantwortung an Harald Szeemann ab. Seitdem geht der Kuratoren-Job alle fünf Jahre an eine andere Person. Die documenta 14 wird der polnische Kunstkritiker und Kurator Adam Szymszyk leiten. Dieser war bis 2014 noch Direktor der Kunsthalle in Basel und machte sich einen Namen als Co-Kurator der 5. Berlin Biennale in 2008. Dabei war die documenta schon immer mehr als eine bloße Kunstausstellung. Davon zeugen auch die vielen Kunstwerke, die noch heute das Stadtbild Kassels bestimmen und die Anekdoten, die die Ausstellung seit jeher begleiten. Die zeichnen ein Bild von waghalsigen Kunstformaten und außergewöhnlichen, mal minimalistischen, mal auffällig inszenierten Ausstellungsstücken.

Documenta 14: Auch was für Kunstmuffel?

Das Besondere der documenta ist seit jeher, dass Kassel und die Köpfe hinter der Kunstausstellung ihren ausgewählten Kuratoren freie Hand lassen. Im Rahmen der documenta Kassel wurde mehr als einmal Kunstgeschichte geschrieben. Als Joseph Beuys, auch als Meister der Selbstinszenierung bekannt, 1982 seine 7.000 Eichen pflanzte beispielsweise oder zehn Jahre vorher als eben dieser im Treppenhaus des Fridericianums seine „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ präsentierte. Und auch das ist die documenta – immer wieder überraschend und anders. Genau aus diesem Grund wird auch die 14. Ausgabe wieder zahlreiche Besucher aus aller Welt nach Kassel – und Athen – locken. Experten rechnen damit, dass die Ausstellung ihren Besucherrekord der vergangenen documenta noch knacken wird. 2012 kamen rund 860.000 Interessierte aus aller Welt in die Brüder-Grimm-Stadt. Und auch, wenn die documenta 14 offiziell erst am 8. April 2017 in Athen und am 10. Juni in Kassel startet, wächst die Vorfreude unter Kunstkennern schon jetzt von Tag zu Tag.

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Für alle, die Kassel jetzt besuchen und nicht auf Kunst verzichten wollen: In der gesamten Stadt stehen ehemalige documenta-Kunstwerke, von Beuys 7.000 Eichen bis zum „Rahmenbau“ am Staatstheater aus dem Jahr 1977, die einen Besuch wert sind. Ansonsten heißt es abwarten und sich auf eine wahrlich einmalige Kunstausstellung freuen. Mitten in Deutschland.